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Das Problem mit der Passform

 

Nachdem es gestern einen Post ohne viele Worte gab, gibts heute dafür umso mehr ^^. Ich möchte heute über ein Thema schreiben was mich beschäftigt und am Herzen liegt. Wer meinen noch sehr jungen Blog etwas verfolgt weiss, dass ich mich mit Schnittkonstruktion beschäftige und meine Modelle selber zeichne. Nun, jeder der näht wird wissen, dass dies ein nicht ganz so einfaches Unterfangen ist.

 

Ich besitze nach wie vor noch keinen Grundschnitt, der mir wirklich passt – in den letzten Tagen habe ich erneut einen Versuch gewagt und einen gezeichnet, den ich heute nähen werde. Garantie dass er sitzt gibt es nicht, geschweige denn dass ich alleine erkenne was ich ändern muss damit er zu passen kommt. Hier kommt der Punkt um den es mir geht:

 

Meine Modelle, die ich bislang gezeigt habe hier im Blog und auf Facebook, sind alle noch in der „Rohfassung“, das heisst, das Design der Schnitte an sich funktioniert, ich kann sie auch tragen und bin jeh nach Modell mehr oder weniger zufrieden. Aber: Sie sind noch lange nicht so, wie ich sie gerne haben würde. Entweder die Taillierung ist zu tief wie bei Felicity 1 &2, wo bei der 2. Version der Rücken dazu noch zu eng ist und das Armloch, oder sie sind unter der Brust zu weit wie bei dem Shirt, was ich gestern gezeigt habe.

Dies Shirt hat sowieso eine Kontroverse auf Facebook ausgelöst ^^ die einen meinen es steht mir, die anderen meinen die Puffärmel und die Rüschen gehen bei mir nicht. Ich persönlich mag den Schnitt, das Shirt selber ist ebenfalls super bequem ^^, aber 100% zufrieden bin ich natürlich auch nicht. Dafür ist es an der Taille einfach zu weit und mit dem Ausschnitt bin ich auch nicht zufrieden, nicht wegen der Form, sondern wegen der Verarbeitung des Bündchens, das ich wohl etwas zu kurz zugeschnitten habe.

 

Warum schreibe ich das? Weil mehr Augen mehr sehen. Es geht mir offen gestanden nicht um die Frage „steht dir oder steht dir ned“ – ich finde sowas ist so individuell wie der Geschmack beim Essen. Wo die einen meinten die Ärmel seien zu viel, meinten die anderen genau die Ärmel finden sie super. Es geht mir hier um die wirklichen Passformprobleme. Über Geschmack lässt sich streiten, und kein Modell wird immer allen gefallen (gibt genug Modelle (oder vor allem Stoffkombinationen) wo ich schon gedacht habe „ohjeh“, aber viele Leute mochten das an der Person).

 

Worüber sich aber nicht streiten lässt ist die Passform ^^. Da Konstruieren und Nähen ein Arbeitsprozess ist, der, vermutlich nie zu Ende geht, ist es wichtig dass ich Feedback von Aussen bekomme. Und zwar zu möglichen Änderungen die eine bessere Passform erzielen. Und das, am besten nicht nur auf das Modell bezogen, sondern auf den Grundschnitt an sich. Denn hinter jedem Modell steht ein Grundschnitt, daher werden sich, bei allen Modellen in „Rohfassung“ immer wieder ähnliche Passformprobleme zeigen, bis ich diese ausgemerzt habe.

Ich frage mich, ob ich von mir selbst erwarte dass ich das alles schon perfekt kann und alles perfekt aussieht. Das ist technisch gesehen gar nicht möglich. So lange konstruiere und nähe ich noch gar nicht, dass ich alles schon könnte oder alles perfekt sitzen würde. Dazu kommt, dass ich niemanden in meinem Umfeld habe der sich ansatzweise mit Nähen beschäftigt, also bin ich auf mich allein gestellt. Lediglich das Internet und meine Bücher liefern mir Informationen.

 

Warum nähe ich überhaupt Modelle nach Grundschnitten die nicht 1A sitzen? Naja, dazu gibt es mehrere Gründe ^^. Zuoberst steht wohl ganz klar: nach gefühlten 100 Probemodellen aus Nessel musste mal ein anderer Stoff her! Es musste mal ein anderer Schnitt her! Ich wollte mal ein Design was ich im Kopf hatte umsetzen und schauen ob ich das so hinkriege dass es tragbar ist. Und tragbar sind sie alle, nicht perfekt na klar, aber das sind se auch ned, diese anderen Klamotten die ich hab, aus dem Kaufhaus ^^. Man möge mir also verzeihen, wenn hier im Blog und auch in den Facebookgruppen in denen ich aktiv bin hin und wieder ein Modell von mir auftauchen wird, wo die Passform noch nicht obtimal ist xD.

 

Ich glaube auch, ich arbeite anders als die meisten. Gestern meinten zum Beispiel einige „ich würde das Shirt an der Taille enger machen“ – ja klar, das sehe ich auch so. Nur: es geht mir gar nicht um dieses eine Kleidungsstück was ich grad trage, sondern um den Schnitt dahinter. Wenn ich’s Pi mal Daumen enger mache am Stoff, dann fällt es mir schwer das dann korrekt auf den Grundschnitt zu übertragen. Beziehungsweise, wenn ich’s dann übertragen hab, müsst ich den Schnitt direkt nochmals nähen um zu schauen ob’s jetzt besser sitzt, und dann eventuell nochmals und nochmals – dann wären wir wieder beim Thema Grundschnitt.

Natürlich läuft am Ende alles darauf hinaus, dass ich nicht drum rum komme nochmals ein Nessel/Baumwollmodell nach dem anderen zu nähen und zu feilen und zu zeichnen und nochmals nähen bis es endlich so ist wie ich das haben will, dennoch möchte ich zwischendurch auch mal einen anderen Stoff vernähen und vielleicht ein neues Modell kreieren. Weil ich ein sehr kreativer Mensch bin mit 100 Ideen, bei denen ich mir oft nicht mal sicher bin ob ich in der Lage sein werde die überhaupt zu nähen *lach* – aber ausprobieren will ich es! Im schlimmsten Fall gehts in die Hose, dann versuch ich es eben nochmals ^^.

 

Viele Näherinnen kaufen immer wieder Schnitte von einem Schnittersteller bei dem sie wissen, dass die Passform des Grundschnitts der verwendet wurde einigermassen auf ihren Körper passt. Und dann nehmen sie an den verschiedenen Modellen immer wieder die gleichen Änderungen vor, damit sie eine bessere Passform erhalten. Das ist ein Weg, wie man zu gut sitzender Kleidung kommt.

An dieser Methode stört mich aber dass ich dann überhaupt nicht den Schnitt kriege den ich eigentlich haben möchte, weils von dem Ersteller vielleicht gar keinen gibt der meiner Idee entspricht. Dann könnt ich mir n’Wolf suchen bis ich einen Schnitt finde der ansatzweise dem entspricht was ich mir Vorstelle, einen 100% Match wirds aber sicher nicht geben. Und dann kann ich versuchen diesen Schnitt probe zu nähen und dann diverse Änderungen dran vornehmen bis ich etwas habe das an meinem Körper passt.

Ich glaube, mit dieser Methode, die ich ja auch immer wieder neu starten müsste wenn ich einen Schnitt von einem neuen Hersteller nähe, wär ich nicht besser bedient als mit dem Weg den ich gewählt habe. Mit einem klitzekleinen Unterschied: Wenn ich selber zeichne bin ich frei im Design.

 

Wenn ihr Lust habt, dann begleitet mich auf diesem Weg. Folgt mir auf Facebook oder Pinterest und schaut in meinem Blog vorbei. Ich werd es euch wissen lassen, wenn ich endlich zufrieden bin mit der Passform meines OT GS (Oberteil Grundschnitt) 😉

 

UND: Ich freue mich über eure Kommentare! Ganz besonders freue ich mich über Inputs die mir helfen, näher an mein Ziel zu gelangen. Dieser Blog ist meine Wiese auf der ich mich austoben kann. Wo ich Sachen ausprobieren kann, neue Ideen mit euch teilen kann und Schritt für Schritt meinem Ziel näher kommen kann.

 

In dem Sinne wünsch ich euch allen einen kreativen Tag!

 

Eure Jasmin

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4 Comments

  1. Hallo Jasmin, wie schön zu lesen, dass ich nicht die Einzige bin, die sich mit Grund- und Maßschnitten beschäftigt. Wir nutzen sogar die gleichen Bücher wie ich sehe. Ich habe (ebenfalls) diverse Passformprobleme und war es leid, stundenlang E-Books zu kleben und zu nähen, um am Ende das Ergebnis nicht tragbar zu finden. Bei mir hapert es oft bei den Gradierungen in eine große Größe, viele Schnittersteller(-Programme) machen es sich da sehr einfach. Zudem lebe ich in Asien und finde hier absolut keine Kaufkleidung, die meiner Körperform entspricht. Nee, dann lieber selber machen! Freue mich daher über neue Beiträge von Dir.

    Frohe Weihnachten!!

    PS: Findest Du das Erstellen am PC besser als auf Papier? Und welches Programm nutzt du dafür?

    1. Liebe Jana. Freut mich immer wenn ich lese dass sich auch andere Leute dieser Herausforderung stellen! 🙂 hast du denn schon einen Grundschnitt erstellen können der alle Passformprobleme ausmerzt? Ich bin da immer noch am tüfteln. Irgendwann schaff ich es vielleicht, aber wenn man hypermobil ist so wie ich steht man grundsätzlich nie wirklich „gerade“ und es ist umso schwerer den Schnitt korrekt anzupassen. Ich zeichne mit Patternmaker, mit dem Programm komm ich gut klar und es geht für mich schneller als von Hand.. Fröhliche Weihnachten auch an dich! 🙂

  2. Liebe Jasmin, ich nähe auch sehr gerne: Patchwork, Quilting, dazwischen Maschinensticken, Kinderkleidung und manchmal Kleider und Shirts für mich. Es ist wirklich schwer tolle Schnitte zu finden, obwohl mir bei fertiger Kleidung alles passt, sind die selbstgeschneiderten Kleidungsstücke, die angeblich meiner Kleidergröße entsprechen, nur mit wilden Änderungen tragbar. Die besten Erfahrungen habe ich noch mit Einzelschnitten gemacht. Wenn ich dann einmal so einen Schnitt gefunden habe, nähe ich ihn dann mehrmals. Habe schon Nähkurse bei Profis (Bekleidungstechnikerin etc.) gemacht, das gleiche Ergebnis, nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Aber das Problem hatte schon meine Mutter, eine gelernte Schneiderin mit den Burda-Schnitten. Fröhliches Nähen wünsche ich Dir weiterhin! LG Nora

    1. Liebe Nora 🙂 Ja es geht wohl vielen so mit der Passform. Ich versuche ja selber zu konstruieren, eben genau deswegen. Ich muss allerdings dazu sagen dass mein Körper dann eher die Ausnahme der Ausnahmen darstellt und es mit ein paar „Standard-Änderungen“ eben nicht getan ist. Ich werde mich künftig nicht mehr an ein paar Falten aufhängen, dafür fällt mein Körper einfach zu sehr aus der Norm. Gerade bei Maschenware werd ich’s ab jetzt lockerer nehmen. Ich hab hier darüber geschrieben: https://www.naehskapaden.de/2019/02/04/erkenntnisse-einer-figuranalyse-fuer-die-schnittkonstruktion/ Auch dir weiterhin viel Freude beim Nähen! 🙂

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